Verfasst von: reisenimkopf | August 19, 2008

Schwarztee mit Milch

Ich sitze an meinem Schreibtisch, zum Frühstück einen Schwarztee mit Milch, und meine Gedanken schweifen schon wieder ab.
Schwarztee mit Milch ist so eine Sache. Einerseits eine wunderschöne, andererseits auch ein klein wenig… hm…. mit Wehmut angehaucht.
Denn ich  sehe mich bei jedem Schluck, bei jedem Mal wo mir der typische Duft in die Nase steigt in einer heruntergekommenen Farmküche in der Nähe von Alice Springs sitzen. Vollkommen fertig, weil bereits zwei Stunden ungewohnte körperliche Arbeit in der schon am Morgen ziemlich aggressiven Sonne hinter mir liegen, verschwitzt und schmutzig und wahrscheinlich auch mit der ein oder anderen kleinen Verletzung.
Aber dennoch, irgendwie im Reinen mit mir selber und der Welt.
Verfasst von: reisenimkopf | Juli 10, 2008

Nimbin

Nimbin ist schwer zu beschreiben, wenn man es nicht kennt. Ich werde mich bemühen, es so gut wie möglich hinzubekommen.

Eins gleich vorneweg: Nimbin ist anders. Es als Kleinstadt zu bezeichnen, wäre bereits maßlos übertrieben. Es ist ein Dorf, oder mehr noch eine kleine Community, etwa 300 km Inland von Byron Bay.

Das Besondere daran: Es handelt sich dabei um ein Hippiedorf, wahrscheinlich das letzte seiner Art.

Es gibt eigene Busunternehmen, die Tagestouren nach Nimbin anbieten, und diese finden bei den Urlaubern aus verschiedenen Gründen großen Anklang.

Manche scheinen tatsächlich nur daran teilzunehmen, um gewisse Einkäufe tätigen zu können. Andere, so wie wir, können einfach nicht gut dran vorbei, wenn irgendwas “anders” als der Rest ist, und steigen schon aus reiner Neugier in den Bus.

Die Haupt- und einzige Straße in Nimbin entlang zu spazieren, dauert nicht länger als 20 Minuten. Die vielen Stops, die man machen muss, weil man von wildfremden Menschen angequatscht wird und auf offener Straße etwas zu rauchen angeboten bekommt, bereits mit eingerechnet. Auch Kekse, Kuchen und angeblich sogar Schokolade mit speziellen Zutaten kann man hier erwerben.

Ein Museum gibt es auch in Nimbin, das im Prinzip nichts anderes ist, als eine Anhäufung Überbleibsel aus den 60er Jahren, nett auf drei Räume verteilt. Im Hinterzimmer des Museums steht ein riesiger Tisch, auf dem ein beachtlicher Haufen Gras ausgebreitet ist, welches dort unter die Leute gebracht wird. Wir trauen unseren Augen kaum.

Schwieriger ist es da schon, irgendwo “normale” Kleidung zu bekommen. Hosen und Röcke sind prinzipiell alle grellbunt, und man tut sich schwer, ein T-Shirt, oder eine Tasche zu finden, auf der kein Hanfblatt abgebildet ist. Auch werden Markennamen einfach den Gegebenheiten angepasst, und so wird aus “Billabong” schnell mal “Bringabong”.

Hier ein Beispiel eines “Magnetshops”.

Insgesamt bleiben wir drei Tage in Nimbin. Wir nächtigen in einem Hostel, das sich Rainbow Retreat Backpacker nennt, und etwas ausserhalb der Stadt direkt im Urwald liegt. Vom Schlafzimmerfenster aus kann man abends den Kängurufamilien beim Essen zusehen, im Badezimmer kann man schon mal Bekanntschaft mit Spinnen machen, und irgendwo soll sich angeblich auch noch eine Python herumtreiben, die ich aber Gottseidank nie zu Gesicht bekomme. Wie in vielen anderen Hostels gibt es auch hier ein “Free Food Shelf” auf dem man noch genießbares Essbares hinterlassen kann, das man nicht mehr in den Rucksack bringt, und von dem sich jeder nehmen darf, was er brauchen kann. Ratet mal, was wir dort finden? Richtig! Gras. Das Thema ist allgegenwärtig.

Die Hostelregeln besagen: Keine harten Drogen! Rauchen auf eigene Gefahr!

Nimbin ist wirklich anders.

Der Aufenthaltsraum des Hostels:

Da es hier nicht wirklich viel zu tun gibt, wenn man die Stadt und seine Kuriositäten schon mal gesehen hat, verbringen wir viel Zeit im Freibad oder mit den Nasen in unseren Büchern.

Für einen Tag wird O. von einem Landschaftsgärtner zum Arbeiten mitgenommen, und ich beschliesse, alleine in den Ort hinunter zu gehen und mir eine Möglichkeit zum Internetten zu suchen. Auf halber Strecke treffe ich auf einen sehr wahrscheinlich eingerauchten Bewohner Nimbins, der mich in ein Gespräch verwickelt und mir anbietet, mich zu begleiten. “No worries, I´m actually gay” – “Keine Sorge, ich bin schwul”, erklärt er mir gleich mal, um nicht den falschen Eindruck zu erwecken. Den hätte ich aber sowieso nicht bekommen. Die Australier sind nun mal ein freundliches, gesprächiges Volk.

Wir plaudern über dieses und jenes und ich nutze die Gelegenheit um ihn zu fragen, wo es denn hier öffentliches Internet gäbe. Er zählt ein paar Möglichkeiten auf, und meint zum Schluss: “Achja, und die Bücherei, gleich da hinten!”

Ich blicke in die gezeigte Richtung, allerdings wird mir die Sicht von einem riesigen Truck versperrt, der neben der Straße parkt.

“Wie, hinter dem Truck?” frage ich nach. “Nein, nein, nicht dahinter – DARIN!”

Nun gibt es zwar so etwas wie einen Bücherbus auch bei uns in Österreich, wie ich mittlerweile herausgefunden habe, nur kannte ich das bis dahin nicht. Ausserdem ist in Austalien ja alles ein wenig größer.

Fazit: Nimbin ist eine Reise wert. Auch, oder besonders dann, wenn man es nicht als reine Shoppintour oder Freak-Show betrachtet, sondern sich wirklich die Zeit nimmt, die Stadt und die Leute ein wenig auf sich wirken zu lassen.  Es hat Flair. Es hat Charakter. Und vor allem hat es Love and Peace und noch einige andere Dinge, von der wir auf dieser Welt ruhig mehr gebrauchen könnten.

Nimbin, Australien, März 2005

Verfasst von: reisenimkopf | Juli 8, 2008

Herzlich willkommen!

Ich grüße herzlichst alle Leser, die ihren Weg über Tina zu mir gefunden haben.

Macht es euch gemütlich, schaut euch ein wenig um, und kommt bald wieder!!! Ich freu mich über jeden von euch!

Ein neuer Artikel über Nimbin ist übrigens schon geschrieben, ich muss nur noch passende Fotos raussuchen

Verfasst von: reisenimkopf | Juli 4, 2008

Schon irgendwie witzig. Die Idee zu diesem neuen Blog entstand bei mir ja ganz spontan, und anfangs wusste ich auch noch nicht so recht, ob es überhaupt eine gute Idee war. Ob mir genug zu schreiben einfallen würde, ob ich meine Geschichten tatsächlich in Worte verpacken könnte und ob ich mir dann auch die Zeit für die Durchführung nehmen würde.

Mittlerweile ist es aber so, dass mir jedes Mal, wenn ich einen Eintrag fertig getippt habe, schon wieder zehn neue Erlebnisse durch den Kopf schießen, über die ich berichten könnte. Ich bin also positiv eingestellt, dass es hier in Zukunft noch mehr zu lesen geben wird.

Bleiben wir fürs erste doch noch ein wenig in Mombasa. Und heute gibt es auch mehr Bilder und weniger Worte. Versprochen!

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In unserem Hotel werden halbtägige City-Touren in die Stadt angeboten, und ich bin der Meinung, dass ich mir das nicht entgehen lassen kann, wo ich schon mal da bin. Meinen Mann interessiert die Stadt weniger, er bleibt lieber im Hotel am Pool. Auch gut, ich hab kein Problem damit, alleine zu fahren. Und wirklich alleine ist man ja nicht, in einem Bus voll mit anderen Urlaubern und zwei Bodyguards Reiseleitern, die einem zur Seite gestellt werden. Sogar, als ich kurz zum Bankomat muss, bekomme ich Begleitschutz mit auf den Weg. Ich frage mich immer wieder ob man als weiße Frau in dieser Stadt tatsächlich zur gefährdeten Spezies gehört, oder ob nicht vielleicht auch ein wenig übertrieben wird.

Die erste Station ist der Lebensmittelmarkt, und dort landen wir erst mal in einem Gewürzladen.

Diesen intensiven Geruch kann ich nicht mit Worten beschreiben, und versuche es daher auch gar nicht erst.

Fußball wird in diesem Land groß geschrieben, wie man leicht erkennen kann ;-)

Draußen auf der Straße sieht es dann so aus.

Wir als weiße Touristen werden natürlich sofort von allen Seiten belagert und bedrängt doch etwas zu kaufen. Das ist etwas, an das man sich erst mal gewöhnen muss. Mir gelingt es die ganzen zwei Wochen, die ich dort bin, nicht wirklich.

Eine der typischen Schubkarren, die man überall sieht:


Weiter geht es in eine muslimische Kirche, die man nur barfuss betreten darf, und in der fotografieren verboten ist. Ich habe keine Ahnung mehr, wie sie hieß, oder was das Besondere an ihr war, aber sie war schon beeindruckend.

Letzte Station dieses Ausflugs ist Fort Jesus, eine portugisiesche Festung aus dem 16.Jahrhundert. Auch dort bieten sich wieder einige sehr schöne Motive zum Fotografieren an:

Vor allem aber hat man von dort oben einen schönen Überblick über Stadt und Meer, den ich kurz sehr genieße, bevor wir wieder zum Bus zurückgepfiffen und ins Hotel gebracht werden.

Dort angekommen freue ich mich, dass mein lieber Mann schon einen Liegestuhl am Pool für mich reserviert habe und genieße den restlichen Tag im Schatten mit meiner Lektüre.

Kenia, Mombasa, November 2007

Verfasst von: reisenimkopf | Juli 3, 2008

Busfahrt durch Mombasa

Es ist Sonntag Morgen, gerade mal acht Uhr, als wir am Flughafen in Mombasa in den nicht gerade vertrauenserweckenden Bus steigen, der uns zum Hotel bringen soll.

Bereits jetzt ist die Luft feucht und warm und trotz der frühen Stunde herrscht auf den Straßen geschäftiges Treiben, sind Unmengen von Menschen unterwegs.  Der Vorort von Mombasa besteht aus einfachen Blechhütten (wenn überhaupt) neben der Straße. Davor sitzen die Bewohner und kochen, unterhalten sich, gehen ihren alltäglichen Tätigkeiten nach. Frauen in bunten, langen Kleidern tragen ihre Babys im Tragetuch auf dem Rücken, um so nicht bei der Arbeit behindert zu werden. Dinge wie einen Kinderwagen oder Windeln hat man hier noch nie gesehen. Und wozu auch?

Viele junge Männer ziehen oder schieben zweirädrige Schubkarren, die teilweise schwer mit großen, schwarzen Kanistern beladen sind, die Straße entlang. Ich frage mich, was diese wohl beinhalten. Später erfahre ich, dass es sich dabei um Palmenwein handel, der bei den Einheimischen hoch im Kurs steht.

Kurz muss ich schmunzeln, als ich eine Frau vorbei gehen sehe, die einen Trolley am Kopf transportiert.

Je näher wir der eigentlichen Stadt kommen, umso mehr verändert sich das Rundherum. Die doch eher ländliche Gegend mit den einfachen Hütten weicht asphaltierten Straßen und gemauerten Häusern. Hier wird plötzlich der krasse Schnitt zwischen arm und reich überdeutlich.

Vor einem hochmodernen Autohaus schläft ein Mann in seinem Schubkarren; nur ein paar Straßen weiter sitzt ein anderer mit einer uralten Nähmaschine am Gehsteig und geht dort seinem Tagesgeschäft nach.

Direkt im Zentrum ist die Hölle los. Auf Straßen, die bei uns maximal zweispurig wären, fahren hier mindestens drei Autos nebeneinander, dazu kommen noch unzählige Fußgänger und Radfahrer. Das Ganze ohne Bodenmarkierungen, man verständigt sich durch Hupen, Schreien und wildes Gestikulieren. Allgemein gilt das Recht des Stärkeren, bzw. Schnelleren. Und das scheint zu funktionieren.

Als wir beim Markt vorbeikommen, wehen die verschiedensten, nicht unbedingt angenehmsten Düfte beim offenenFenster herein. Von der Straße ist vor lauter Schmutz nicht mehr viel zu sehen; mittendrin haben die Händler ihre primitiven Stände aufgebaut, oder die angebotene Ware sogar am Boden ausgebreitet.

Das hier sei der größte Second-Hand-Kleidermarkt in ganz Mombasa, erklärt uns unser Busfahrer, und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: “Also falls Ihnen im Urlaub ihre Kleidung abhanden kommen sollte, kommen Sie hier her – mit etwas Glück finden Sie sie wieder!”

Eine halbe Stunde nur dauert die Fahrt vom Flughafen zum Hotel. Eine halbe Stunde jedoch, in der so viele neue Eindrücke auf mich niederprasseln, dass ich kurz nicht mehr weiß, wo mir der Kopf steht.  Auf der einen Seite bin ich ganz froh, dass ich das bunte Treiben mit etwas Sicherheitsabstand betrachten kann, auf der anderen Seite tut es mir aber auch leid, dass ich nicht einfach meinen Rucksack schnappen kann, und mich unter die Leute mischen, so wie ich es gewohnt bin.

Um ehrlich zu sein, bereue ich es noch heute, dass wir dieses Land, das bestimmt einiges zu bieten hätte, nicht als Reisende, sondern nur als Touristen erlebt haben. Ich wollte einmal etwas anderes sehen, und das habe ich bekommen. Ich hätte nicht den Mut gehabt, Kenia individuell zu bereisen. Ich weiß auch nicht ob ich diesen Mut heute aufbringen würde.

Ich weiß nur, dass ich mir wünsche, ich könnte es, sollte es mich noch einmal dorthin verschlagen.

Kenia, Mombasa, November 2007

Verfasst von: reisenimkopf | Juli 1, 2008

Coober Pedy – Crocodile Harry

Nachdem ich Coober Pedy vorhin bereits kurz erwähnte, und in der Zwischenzeit mein Bundy Coke gemeinsam mit den letzten Sonnenstrahlen am Balkon genossen habe, möchte ich darauf noch einmal etwas genauer zurück kommen.

Coober Pedy, die Opalgräberstadt, wimmelt nur so von kuriosen Gestalten und eine davon ist mir besonders in Erinnerung geblieben.

Crocodile Harry, ein etwa siebzigjähriges, schmächtiges Männchen, das in jüngeren Jahren wohl ein mehr oder weniger bekannter Krokodiljäger gewesen war. Mittlerweile bewohnte er einen sogenannten Dugout, von denen es in CP noch einige gibt, etwas ausserhalb des Stadtzentrums.

Dugouts, so nennt man die Wohnungen unter der Erde, die damals, lange bevor es Klimaanlagen gab, von den ersten Siedlern, den Opalgäbern, ausgehoben wurden und die teilweise auch heute noch bewohnt werden. Die einzig vernünftige und noch dazu umweltschonende Art, eine halbwegs erträgliche und vor allem konstante Raumtemperatur geniessen zu können.

Nun, wie dem auch sei, Crocodile Harry hatte seine Wohnung im Laufe der Jahre in ein kleines, lebendes Museum verwandelt, in dem ihn jeder besuchen durfte der Lust und Zeit hatte, und der bereit war, ein kleines Eintrittsgeld von 2 Dollar zu bezahlen.

Gleich beim Eingang darf man sich in ein Gästebuch eintragen, Frauen mit rotem Kuli, Männer mit blauem. Harry trennt streng.  Von der niedrigen Decke hängen BH´s mit kleinen Zettelchen dran,auf denen Telefonnummern stehen und Liebesbriefe an den Hausherren. Alles Überbleibsel seiner Besucherinnen, meint Harry stolz. Es sei dahin gestellt, wieviel davon echt ist. Eine Schweizerin, die zu unserer kleinen Gruppe gehört, wittert eine Geschäftsidee und meint: “Na toll, da schmück ich doch glatt auch mal mein Haus mit Männerunterhosen und verlange Eintritt dafür.” Ich bezweifle, dass sie dieses Vorhaben in die Tat umgesetzt hat.

Aber abgesehen von diversen Kleidungsstücken sind die Wände der Behausung noch mit allerlei anderem Kram verziert. Zeichnungen, Geldscheinen,farbenprächtigen Malereien, alten Ausweisen, Fotos, merkwürdigen Figuren, Zeitungsausschnitten…. Ich entdecke ein Foto von einem jungen Mann mit Waschbrettbauch und Rauschebart, der gerade ein Krokodil fesselt. Harry in besseren Zeiten, nehme ich an.

Das ganze Haus, wenn man es denn so nennen kann, ist ein Kunstwerk. Ein skurriles, verrücktes, und ein klein wenig krankes Kunstwerk, aber sehenswert.

In Harrys Garten stehen einige verrostete Autos verschiedener Marken. Wir fragen ihn, warum er die hier rumstehen hat, und erfahren Unglaubliches. Darin pflanzt er Gemüse an. Aber nicht etwa irgendeines, nein, da gäbe es gewissen Regeln, die zu beachten seien. Tomaten zum Beispiel, würden im Ford am besten gedeihen, während es für Kartoffeln keinen besseren Platz als einen alten Holden gäbe.

Im Nachhinein betrachtet ist es wahrscheinlich nicht weiter verwunderlich dass wir uns nach dem Besuch bei Harry plötzlich ziemlich normal und langweilig vorkamen.

Und wie immer, wenn man etwas bestimmtes sucht, findet man es nicht. Ich könnte auf der Stelle tausend Australienfotos herzeigen, aber kein einziges von Crocodile Harry. Nun ja, ein andermal bestimmt.

Verfasst von: reisenimkopf | Juli 1, 2008

Die Sache mit den Gerüchen

Ist es nicht faszinierend, wie alleine ein gewisser Geruch es schon vermag, uns in andere Zeiten zu versetzen?

Sei es nun das Aftershave der ersten großen Liebe, das man nach einer halben Ewigkeit immer noch in der Nase hat, oder der Duft, der in der Luft hängt, wenn man gerade eine Kerze ausgeblasen hat, und der zumindest mich (selbst im Hochsommer) immer an die Kerzen am Weihnachtsbaum denken lässt, die bei uns sicherheitshalber  ausgemacht wurden, kurz bevor man anfing die Geschenke zu verteilen.

Bei mir hat jede Zeit, jeder Lebensabschnitt einen bestimmten Geruch und einen bestimmten Geschmack. Oft weiß ich das selber nicht einmal, und erinnere mich erst wieder daran, wenn ich diesen Duft in die Nase bekomme.

So ging es mir auch, als wir 2005 in Australien bei einem Weinbauern aushalfen und einen ganzen Vormittag damit beschäftigt waren, tonnenweise Weintrauben von Hand zu pflücken. Nach ungefähr einer Stunde hatte ich ununterbrochen das Bild meines verstorbenen Großonkels Melchior aus Ungarn vor Augen, denn ich roch genauso wie er. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich nicht einmal daran erinnert, wie er gerochen hatte, es war mir auch nie wichtig erschienen.

Ich kann mich auch jetzt wieder nicht an den Geruch erinnern, den die sonnengereiften Weintrauben auf meiner Haut, und wohl auch Tag für Tag auf der Haut von Onkel Melchior hinterlassen haben. So sehr ich mich auch bemühe, ich bekomme ihn nicht zusammen. Aber ich würde ihn wiedererkennen, dessen bin ich mir sicher.

Ein Geruch und auch ein Geschmack, der unwiderbringlich mit Australien verbunden ist, ist der von Bundy Coke. Zur Feier des Tages, nämlich zur Eröffnung dieses neuen Blogs, habe ich mir soeben eines hergerichtet.

Ich brauch nur dran zu nippen und die Augen zu schließen, und schon sehe ich mich mit einer Dose dieses Rum-Cola-Gemischs in Coober Pedy vorm Hostel sitzen. Abends, im Dunkeln, bei immer noch 40 Grad plus!

Cheers, mate!

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