Nachdem ich Coober Pedy vorhin bereits kurz erwähnte, und in der Zwischenzeit mein Bundy Coke gemeinsam mit den letzten Sonnenstrahlen am Balkon genossen habe, möchte ich darauf noch einmal etwas genauer zurück kommen.
Coober Pedy, die Opalgräberstadt, wimmelt nur so von kuriosen Gestalten und eine davon ist mir besonders in Erinnerung geblieben.
Crocodile Harry, ein etwa siebzigjähriges, schmächtiges Männchen, das in jüngeren Jahren wohl ein mehr oder weniger bekannter Krokodiljäger gewesen war. Mittlerweile bewohnte er einen sogenannten Dugout, von denen es in CP noch einige gibt, etwas ausserhalb des Stadtzentrums.
Dugouts, so nennt man die Wohnungen unter der Erde, die damals, lange bevor es Klimaanlagen gab, von den ersten Siedlern, den Opalgäbern, ausgehoben wurden und die teilweise auch heute noch bewohnt werden. Die einzig vernünftige und noch dazu umweltschonende Art, eine halbwegs erträgliche und vor allem konstante Raumtemperatur geniessen zu können.
Nun, wie dem auch sei, Crocodile Harry hatte seine Wohnung im Laufe der Jahre in ein kleines, lebendes Museum verwandelt, in dem ihn jeder besuchen durfte der Lust und Zeit hatte, und der bereit war, ein kleines Eintrittsgeld von 2 Dollar zu bezahlen.
Gleich beim Eingang darf man sich in ein Gästebuch eintragen, Frauen mit rotem Kuli, Männer mit blauem. Harry trennt streng. Von der niedrigen Decke hängen BH´s mit kleinen Zettelchen dran,auf denen Telefonnummern stehen und Liebesbriefe an den Hausherren. Alles Überbleibsel seiner Besucherinnen, meint Harry stolz. Es sei dahin gestellt, wieviel davon echt ist. Eine Schweizerin, die zu unserer kleinen Gruppe gehört, wittert eine Geschäftsidee und meint: „Na toll, da schmück ich doch glatt auch mal mein Haus mit Männerunterhosen und verlange Eintritt dafür.“ Ich bezweifle, dass sie dieses Vorhaben in die Tat umgesetzt hat.
Aber abgesehen von diversen Kleidungsstücken sind die Wände der Behausung noch mit allerlei anderem Kram verziert. Zeichnungen, Geldscheinen,farbenprächtigen Malereien, alten Ausweisen, Fotos, merkwürdigen Figuren, Zeitungsausschnitten…. Ich entdecke ein Foto von einem jungen Mann mit Waschbrettbauch und Rauschebart, der gerade ein Krokodil fesselt. Harry in besseren Zeiten, nehme ich an.
Das ganze Haus, wenn man es denn so nennen kann, ist ein Kunstwerk. Ein skurriles, verrücktes, und ein klein wenig krankes Kunstwerk, aber sehenswert.
In Harrys Garten stehen einige verrostete Autos verschiedener Marken. Wir fragen ihn, warum er die hier rumstehen hat, und erfahren Unglaubliches. Darin pflanzt er Gemüse an. Aber nicht etwa irgendeines, nein, da gäbe es gewissen Regeln, die zu beachten seien. Tomaten zum Beispiel, würden im Ford am besten gedeihen, während es für Kartoffeln keinen besseren Platz als einen alten Holden gäbe.
Im Nachhinein betrachtet ist es wahrscheinlich nicht weiter verwunderlich dass wir uns nach dem Besuch bei Harry plötzlich ziemlich normal und langweilig vorkamen.
Und wie immer, wenn man etwas bestimmtes sucht, findet man es nicht. Ich könnte auf der Stelle tausend Australienfotos herzeigen, aber kein einziges von Crocodile Harry. Nun ja, ein andermal bestimmt.