Es ist Sonntag Morgen, gerade mal acht Uhr, als wir am Flughafen in Mombasa in den nicht gerade vertrauenserweckenden Bus steigen, der uns zum Hotel bringen soll.
Bereits jetzt ist die Luft feucht und warm und trotz der frühen Stunde herrscht auf den Straßen geschäftiges Treiben, sind Unmengen von Menschen unterwegs. Der Vorort von Mombasa besteht aus einfachen Blechhütten (wenn überhaupt) neben der Straße. Davor sitzen die Bewohner und kochen, unterhalten sich, gehen ihren alltäglichen Tätigkeiten nach. Frauen in bunten, langen Kleidern tragen ihre Babys im Tragetuch auf dem Rücken, um so nicht bei der Arbeit behindert zu werden. Dinge wie einen Kinderwagen oder Windeln hat man hier noch nie gesehen. Und wozu auch?
Viele junge Männer ziehen oder schieben zweirädrige Schubkarren, die teilweise schwer mit großen, schwarzen Kanistern beladen sind, die Straße entlang. Ich frage mich, was diese wohl beinhalten. Später erfahre ich, dass es sich dabei um Palmenwein handel, der bei den Einheimischen hoch im Kurs steht.
Kurz muss ich schmunzeln, als ich eine Frau vorbei gehen sehe, die einen Trolley am Kopf transportiert.
Je näher wir der eigentlichen Stadt kommen, umso mehr verändert sich das Rundherum. Die doch eher ländliche Gegend mit den einfachen Hütten weicht asphaltierten Straßen und gemauerten Häusern. Hier wird plötzlich der krasse Schnitt zwischen arm und reich überdeutlich.
Vor einem hochmodernen Autohaus schläft ein Mann in seinem Schubkarren; nur ein paar Straßen weiter sitzt ein anderer mit einer uralten Nähmaschine am Gehsteig und geht dort seinem Tagesgeschäft nach.
Direkt im Zentrum ist die Hölle los. Auf Straßen, die bei uns maximal zweispurig wären, fahren hier mindestens drei Autos nebeneinander, dazu kommen noch unzählige Fußgänger und Radfahrer. Das Ganze ohne Bodenmarkierungen, man verständigt sich durch Hupen, Schreien und wildes Gestikulieren. Allgemein gilt das Recht des Stärkeren, bzw. Schnelleren. Und das scheint zu funktionieren.
Als wir beim Markt vorbeikommen, wehen die verschiedensten, nicht unbedingt angenehmsten Düfte beim offenenFenster herein. Von der Straße ist vor lauter Schmutz nicht mehr viel zu sehen; mittendrin haben die Händler ihre primitiven Stände aufgebaut, oder die angebotene Ware sogar am Boden ausgebreitet.
Das hier sei der größte Second-Hand-Kleidermarkt in ganz Mombasa, erklärt uns unser Busfahrer, und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Also falls Ihnen im Urlaub ihre Kleidung abhanden kommen sollte, kommen Sie hier her – mit etwas Glück finden Sie sie wieder!“
Eine halbe Stunde nur dauert die Fahrt vom Flughafen zum Hotel. Eine halbe Stunde jedoch, in der so viele neue Eindrücke auf mich niederprasseln, dass ich kurz nicht mehr weiß, wo mir der Kopf steht. Auf der einen Seite bin ich ganz froh, dass ich das bunte Treiben mit etwas Sicherheitsabstand betrachten kann, auf der anderen Seite tut es mir aber auch leid, dass ich nicht einfach meinen Rucksack schnappen kann, und mich unter die Leute mischen, so wie ich es gewohnt bin.
Um ehrlich zu sein, bereue ich es noch heute, dass wir dieses Land, das bestimmt einiges zu bieten hätte, nicht als Reisende, sondern nur als Touristen erlebt haben. Ich wollte einmal etwas anderes sehen, und das habe ich bekommen. Ich hätte nicht den Mut gehabt, Kenia individuell zu bereisen. Ich weiß auch nicht ob ich diesen Mut heute aufbringen würde.
Ich weiß nur, dass ich mir wünsche, ich könnte es, sollte es mich noch einmal dorthin verschlagen.
Kenia, Mombasa, November 2007