Nimbin ist schwer zu beschreiben, wenn man es nicht kennt. Ich werde mich bemühen, es so gut wie möglich hinzubekommen.
Eins gleich vorneweg: Nimbin ist anders. Es als Kleinstadt zu bezeichnen, wäre bereits maßlos übertrieben. Es ist ein Dorf, oder mehr noch eine kleine Community, etwa 300 km Inland von Byron Bay.
Das Besondere daran: Es handelt sich dabei um ein Hippiedorf, wahrscheinlich das letzte seiner Art.
Es gibt eigene Busunternehmen, die Tagestouren nach Nimbin anbieten, und diese finden bei den Urlaubern aus verschiedenen Gründen großen Anklang.
Manche scheinen tatsächlich nur daran teilzunehmen, um gewisse Einkäufe tätigen zu können. Andere, so wie wir, können einfach nicht gut dran vorbei, wenn irgendwas „anders“ als der Rest ist, und steigen schon aus reiner Neugier in den Bus.
Die Haupt- und einzige Straße in Nimbin entlang zu spazieren, dauert nicht länger als 20 Minuten. Die vielen Stops, die man machen muss, weil man von wildfremden Menschen angequatscht wird und auf offener Straße etwas zu rauchen angeboten bekommt, bereits mit eingerechnet. Auch Kekse, Kuchen und angeblich sogar Schokolade mit speziellen Zutaten kann man hier erwerben.
Ein Museum gibt es auch in Nimbin, das im Prinzip nichts anderes ist, als eine Anhäufung Überbleibsel aus den 60er Jahren, nett auf drei Räume verteilt. Im Hinterzimmer des Museums steht ein riesiger Tisch, auf dem ein beachtlicher Haufen Gras ausgebreitet ist, welches dort unter die Leute gebracht wird. Wir trauen unseren Augen kaum.
Schwieriger ist es da schon, irgendwo „normale“ Kleidung zu bekommen. Hosen und Röcke sind prinzipiell alle grellbunt, und man tut sich schwer, ein T-Shirt, oder eine Tasche zu finden, auf der kein Hanfblatt abgebildet ist. Auch werden Markennamen einfach den Gegebenheiten angepasst, und so wird aus „Billabong“ schnell mal „Bringabong“.
Hier ein Beispiel eines „Magnetshops“.
Insgesamt bleiben wir drei Tage in Nimbin. Wir nächtigen in einem Hostel, das sich Rainbow Retreat Backpacker nennt, und etwas ausserhalb der Stadt direkt im Urwald liegt. Vom Schlafzimmerfenster aus kann man abends den Kängurufamilien beim Essen zusehen, im Badezimmer kann man schon mal Bekanntschaft mit Spinnen machen, und irgendwo soll sich angeblich auch noch eine Python herumtreiben, die ich aber Gottseidank nie zu Gesicht bekomme. Wie in vielen anderen Hostels gibt es auch hier ein „Free Food Shelf“ auf dem man noch genießbares Essbares hinterlassen kann, das man nicht mehr in den Rucksack bringt, und von dem sich jeder nehmen darf, was er brauchen kann. Ratet mal, was wir dort finden? Richtig! Gras. Das Thema ist allgegenwärtig.
Die Hostelregeln besagen: Keine harten Drogen! Rauchen auf eigene Gefahr!
Nimbin ist wirklich anders.
Der Aufenthaltsraum des Hostels:
Da es hier nicht wirklich viel zu tun gibt, wenn man die Stadt und seine Kuriositäten schon mal gesehen hat, verbringen wir viel Zeit im Freibad oder mit den Nasen in unseren Büchern.
Für einen Tag wird O. von einem Landschaftsgärtner zum Arbeiten mitgenommen, und ich beschliesse, alleine in den Ort hinunter zu gehen und mir eine Möglichkeit zum Internetten zu suchen. Auf halber Strecke treffe ich auf einen sehr wahrscheinlich eingerauchten Bewohner Nimbins, der mich in ein Gespräch verwickelt und mir anbietet, mich zu begleiten. „No worries, I´m actually gay“ – „Keine Sorge, ich bin schwul“, erklärt er mir gleich mal, um nicht den falschen Eindruck zu erwecken. Den hätte ich aber sowieso nicht bekommen. Die Australier sind nun mal ein freundliches, gesprächiges Volk.
Wir plaudern über dieses und jenes und ich nutze die Gelegenheit um ihn zu fragen, wo es denn hier öffentliches Internet gäbe. Er zählt ein paar Möglichkeiten auf, und meint zum Schluss: „Achja, und die Bücherei, gleich da hinten!“
Ich blicke in die gezeigte Richtung, allerdings wird mir die Sicht von einem riesigen Truck versperrt, der neben der Straße parkt.
„Wie, hinter dem Truck?“ frage ich nach. „Nein, nein, nicht dahinter – DARIN!“
Nun gibt es zwar so etwas wie einen Bücherbus auch bei uns in Österreich, wie ich mittlerweile herausgefunden habe, nur kannte ich das bis dahin nicht. Ausserdem ist in Austalien ja alles ein wenig größer.
Fazit: Nimbin ist eine Reise wert. Auch, oder besonders dann, wenn man es nicht als reine Shoppintour oder Freak-Show betrachtet, sondern sich wirklich die Zeit nimmt, die Stadt und die Leute ein wenig auf sich wirken zu lassen. Es hat Flair. Es hat Charakter. Und vor allem hat es Love and Peace und noch einige andere Dinge, von der wir auf dieser Welt ruhig mehr gebrauchen könnten.
Nimbin, Australien, März 2005





